Was unterscheidet Organisationsentwicklung von Supervision?
Organisationsentwicklung bedient sich einer Vielzahl von sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden, die in dieser kurzen Einführung nicht dargestellt werden können. Sie nutzt bewährte Verfahren zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit von einzelnen Personen, Gruppen und Organisationen.
Während Supervision - bei der es auch um geplante Veränderungsprozesse geht - in erster Linie an zwischenmenschlichen Beziehungen ansetzt, beschäftigt sich Organisationsentwicklung vorwiegend mit Variablen der Organisation. In der vorangegangenen Darstellung wurde zwar betont, dass persönliche Beziehungen der Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielen, doch werden sie immer im organisatorischen Gesamtzusammenhang gesehen, analysiert und verändert. Etwas verkürzt lässt sich auch sagen, dass Supervision die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsqualität von Einzelnen
und Gruppen zu steigern versucht, Organisationsentwicklung hingegen optimiert Organisationen insgesamt, die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter, ihre Effektivität und ihre Wirtschaftlichkeit.
Erfolgreiche OE-Projekte sind meist keine kurzfristigen Programme sondern, mittel- bis langfristige "Investitionsvorhaben". Sie bezwecken die Entwicklung interner Organisationsressourcen, um wirksame Veränderungen für die Zukunft zu ermöglichen. Charakteristisch für Organisationsentwicklung ist der kooperative Prozess zur Beeinflussung der Kultur einer Organisation.
Und was unterscheidet Organisationsentwicklung von Selbstevaluation?
Eine weitere Qualifizierungsmöglichkeit, die in den letzten Jahren in zunehmendem Maß in der Sozialen Arbeit Anwendung findet, ist die Selbstevaluation.
Der zentrale Ansatzpunkt der Selbstevaluation liegt in einer alten Tradition der Sozialen Arbeit begründet: Der nicht - oder relativ selten - vorhandenen Notwendigkeit einer Rechtfertigung bzw. Kontrolle der beruflichen Arbeit.
In vielen sozialen Einrichtungen besteht zudem unter den Mitarbeitern eine eher ablehnende Haltung gegenüber einem Kontroll- oder Bewertungssystem, wodurch auch die Durchführung von Organisationsentwicklungsmaßnahmen behindert werden kann.
Auf der anderen Seite werden immer wieder Forderungen nach einer qualitativen Kontrolle im Sinne einer Selbsteinschätzung der professionellen Arbeit laut. Das Konzept der Selbstevaluation bietet die Möglichkeit, innerhalb der Organisation ein System von Bewertungsmaßstäben aufzubauen, an denen die einzelnen Mitarbeiter die Qualität ihrer professionellen Arbeit selbst messen können.
Ein wesentlicher Unterschied zur Organisationsentwicklung liegt damit in der Tatsache, daß Selbstevaluation von den Mitarbeitern bzw. Kollegen selbst organisiert und durchgeführt wird. Eine "Einmischung" von außen findet nicht statt. Allerdings wird gleichzeitig auch auf die Vorteile, die der Einsatz eines "Change-Agent" von außerhalb mit sich bringen kann, bewusst verzichtet.
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